oebv 4 kids
Zur Startseite Suche Übersichtsseite Nachricht an ÖBV4kids Gästebuch
 
 
 
  Schreiben Übersicht
  Geschichten
  Lese-Ecke


Lese-Ecke

Aminas Wunsch

von Nadja Kitzbichler, 14 Jahre
Meine Hobbys: mit meiner Schwester Filme schauen

Vor vielen, vielen Jahren lebte einmal ein König. Er hatte eine wunderschöne Tochter, die bald ihren 10. Geburtstag feiern würde. Sie hieß Amina. Amina hatte blondes, gelocktes Haar und eine dunkle Hautfarbe, die für Prinzessinnen so gar nicht üblich war. Das kam davon, dass sie immer den ganzen Tag im königlichen Garten spielte.

Doch an dem Tag vor ihrem Geburtstag wurde ihr klar, dass sie noch nie außerhalb des Schlosses  und dessen Garten gewesen war. Also fragte sie ihren Vater, ob sie nicht einmal mit den Jägern in den Wald dürfe. Doch der König fand, dass dies keine gute Idee war.

"Die Schneiderinnen müssen dir noch dein Gewand anpassen, das du Morgen tragen wirst. Sie sind noch nicht dazu gekommen, da du dich immer nur draußen aufhältst und keine Sekunde stillhalten kannst. Du wirst dich jetzt in dein Gemach begeben und warten, bis ich die Schneiderinnen herbeigerufen habe!"

"Aber Papa!", widersprach Amina.

"Nichts aber! Und nun beeil dich ein bisschen!"

"Ja, Papa.", willigte sie schließlich ein.

Auch Könige müssen ihre Kinder erst erziehen. Sie tun sich dabei meist schwerer als normale Väter, da von Prinzessinnen mehr erwartet wird als von Mädchen die normal aufgezogen werden.

Amina flitzte die Treppen hinauf in ihr Zimmer und sprang auf ihr Bett.

"Amina, ich habe das Bett gerade erst gemacht!", sagte das Dienstmädchen der Prinzessin. Ja, sie hatte schon ihre eigenen Bediensteten. Miranda, so hieß das Dienstmädchen, das das Bett soeben gemacht hatte und für die Ordnung in Aminas Raum zuständig war, hatte ein sehr gutes Verhältnis zu der Prinzessin. Miranda war nur sieben Jahre älter als die Prinzessin. Sie war nicht sonderlich höflich, ein wenig tollpatschig und man konnte über alles mit ihr reden. Das gefiel Amina an Miranda. Deshalb wurden die beiden dicke Freunde.

"Miranda, wie ist es eigentlich außerhalb des Schlosses?", fragte Amina.

"Du bist doch oft genug draußen, wieso fragst du mich das?"

"Nein, ich meine doch nicht im Garten. Ich meine draußen im Dorf, in den Wäldern und was es sonst noch auf der Welt zu sehen gibt! Ich kenne dies alles nur aus den Büchern, die mir mein Vater immer mitbringt. Aber wie sieht es wirklich dort draußen aus? Was machen die Leute dort, sind sie anders als wir?"

Miranda seufzte. Sie hatte schon geahnt, dass diese Frage irgendwann kommen würde. Das letzte Mal, als sie außerhalb des Königreiches der Familie von Amina gewesen ist, war, als sie selbst noch ein Kind gewesen ist, etwa in Aminas Alter. Dann wurden sie und ihre Mutter vom König gefangen genommen. Das würde sie Amina nie erzählen, denn sie wusste, dass es ihr das Herz zerreißen würde. Amina war schon immer sehr sensibel gewesen.

Mirandas Mutter war schon sehr alt und starb noch während der Gefangenschaft. Aminas Mutter starb bei ihrer Geburt. Dieses Schicksal beider schweißte sie noch mehr zusammen.

Miranda wurde das Dienstmädchen der Prinzessin, was sie auch heute noch ist.

"Naja, so richtig weiß ich das auch nicht mehr. Aber es war schön draußen.

Manchmal bin ich mit dem Jungen des Bäckers in den Wald gegangen. Es roch immer so frisch dort und die Vögel zwitscherten im Takt des rauschenden Baches.

Und die Menschen", fügte sie noch hinzu, "waren gelassener als hier. Die meisten hatten nicht viel zu essen, waren aber immer froh und gingen ihrer Arbeit mit einem Lächeln im Gesicht  nach.

Jeder half jedem, falls mal wieder kein Essen da war. Wir waren wie ein Team."

Miranda sah während des erzählens aus dem Fenster hinaus, doch nun sah sie zu Amina.

Die Prinzessin sah Miranda verträumt an und konnte gar nicht glauben, wieso ihr Vater sie nicht in diese so wunderschön klingende Welt hinauslassen wollte.

Plötzlich bekam auch Miranda so etwas wie Heimweh. Sie wollte den Jungen des Bäckers noch einmal wiedersehen, der mittlerweile zu einem jungen Mann herangewachsen sein musste. Vielleicht war er selbst nun der Arbeit seines Vaters nachgegangen? Ob er sich auch nach Miranda sehnte, oder hatte er sie schon vergessen?

Miranda wurde aus ihrem Tagtraum gerissen, als die Tür sich aufschwang und die ihr angekündigten Schneiderinnen in Aminas Zimmer kamen.

Aminas Kleid wurde ihr angezogen. Es passte sehr gut, bis auf ein paar Kleinigkeiten, die schnell beseitigt wurden. Amina war überwältigt von diesem Kleid. Normalerweise hasste sie es, solche Sachen zu tragen, die einen einfach nur beim gehen behinderten. Doch dieses war wirklich wunderschön: es war rot und hatte ein paar Rüschen und Schleifen. Oben war eine Brosche mit dem Motiv einer Rose angebracht. Doch Amina musste dieses Kleid wieder ausziehen. Erst morgen sollte sie es tragen.

An diesem Abend ging Amina mit gemischten Gefühlen ins Bett. Sie wollte unbedingt einmal raus aus dem Schloss und in die Freiheit. Doch sie freute sich schon auf morgen, wenn sie das schöne Kleid tragen durfte. Auf einmal tat Miranda ihr Leid. Miranda hatte nichts von beiden: weder die Freiheit, noch schöne Sachen. Sie konnte sich auf nichts freuen, so wie Amina es tat. Miranda war bestimmt oft traurig, weil sie ihre Heimat verlassen musste um ihr, Amina, zu dienen.

Da fiel Amina ein, was sie sich zu ihrem Geburtstag von ihrem Vater wünschen würde. Nicht etwa schöne Sachen oder, dass sie einmal raus dürfe. Nein, sie wünschte sich etwas ganz anderes.

Mit diesen Gedanken fiel Amina in einen sanften Schlaf.

Am nächsten Tag wurde Amina schon sehr früh geweckt.

Sie wurde für ihren großen Tag vorbereitet. Die Dienerinnen der Prinzessin wuschen und bürsteten, bis ihnen die Hände wehtaten. Amina befiehl ihnen, auch Miranda hübsch zu machen und ihr ein Kleid aus der Schneiderei anzuziehen. Miranda verstand nicht, was Amina vorhatte, aber sie ließ es sich ohne Wiederstand gefallen.

Als beide herausgeputzt vor dem König standen, Miranda verbeugend, wunderte Aminas Vater sich, wieso auch Miranda dort stand, aber er sagte nichts.

Amina äußerte ihren einzigen Geburtstagswunsch: "Vater, ich wünsche mir nichts so sehr, als dass Miranda ihre Freiheit wiederbekommt. Sie erzählte mir von ihrer Kindheit im Dorf. Ich bin hier zu Hause, doch Mirandas Heim ist die Freiheit und die hat sie nicht. Bitte lass sie gehen!"

Miranda wunderte sich ebenso wie der König, doch sie widersprach nicht.

"So. Hast du das dir wirklich gut überlegt? Wenn das dein Wunsch ist, werde ich ihn dir erfüllen!"

Da meldete sich Miranda endlich zu Wort: "König! Es stimmt, ich vermisse meine Heimat, doch habe ich dort nichts mehr! Meine Freunde aus Kindertagen haben mich wahrscheinlich schon vergessen. Meine neue Heimat ist hier bei Prinzessin Amina! Wie sind Freunde, und mich von ihr zu  trennen, würde mein Herz zerreißen."

"Du einfaches Weib stellst den Wunsch einer Prinzessin in Frage?!", brauste der König auf, denn er wusste bisher noch nichts von der Freundschaft seiner Tochter mit dem Dienstmädchen und dachte, sie habe sich das alles nur ausgedacht.

Da griff Amina ein und sagte: "Es stimmt, Vater! Miranda und ich haben viel gemeinsam. Wir sind Freunde. Ich dachte, Miranda wolle gerne wieder ihre Freiheit zurückbekommen, deshalb wünschte ich es und nicht, weil ich sie entlassen wollte."

Der König war überrascht. Er wusste nicht, dass seine Tochter so vernünftig sein konnte.

"Als gut, wenn du das sagst. Aber was wünschst du dir dann?"

Amina wusste nicht so recht, doch da fiel ihr etwas ein: "Ich wünsche mir, dass Miranda und ich so oft wir wollen raus dürfen! Und zwar nicht nur in den Garten, sondern ganz hinaus, zum Beispiel in den Wald oder in das Dorf. Bitte Vater, ich war noch nie dort und möchte so gerne mal etwas anderes als nur immer die Mauern des Schlosses und den gepflegten Garten sehen!"

Dem König fiel es nicht leicht, doch er hatte ja versprochen seiner Tochter einen Wunsch zu erfüllen, soweit er ihm erfüllbar schien. Doch da er kein schlechter König und auch kein ungerechter Vater sein wollte, willigte er schließlich ein.

"Doch nur unter der Bedingung,", sagte er, "dass Miranda mir verspricht dich zu beschützen und auf dich aufzupassen."

Miranda sah auf. Ihre Augen strahlten, denn sie hatte nicht erwartet, dass der König Amina diesen Wunsch erfüllen würde.

"Aber sicher! Vielen dank, mein König! Das werde ich ihnen nie vergessen!"

Miranda und Amina rannten aus dem Schloss und vorbei an den Soldaten, denen sie im vorübergehen sagten, dass der König es erlaubt hätte.

Und drinnen auf dem Tron saß er lachend und freute sich über die Schönheit der Kinder, die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten und ab heute wahrscheinlich jeden Tag im Wald oder im Dorf sein würden.

Amina und Miranda hatten viel Schönes erlebt. Heute waren sie nur im Wald gewesen, morgen würden sie ins Dorf gehen. Zum Mittag kamen die beiden wieder. Das Fest hatte gerade begonnen und Miranda durfte mitfeiern, da sie ja die Freundin von Amina war.

Amina trug ihr schönes Kleid und sie feierten bis tief in die Nacht.

Und am nächsten morgen sprangen beide gleichzeitig aus dem Bett und machten sich fertig für den heutigen Tag.

Sie gingen ins Dorf, wo Miranda den Jungen des Bäckers sah, der mittlerweile schon selbst einer war. Er erzählte ihr, dass er sie nie vergessen habe und immerzu an sie denken musste.

Es wurde noch ein schöner Tag und alle lebten glücklich und zufrieden.

Die Urheberrechte liegen bei der Autorin.

zur Geschichten-Übersicht


Ein Service der ÖBV  
 bunte Kugeln

öbv 4 kids Logo