Lese-Ecke

Ein Tag im Schnee

von Nadja Kitzbichler, 14 Jahre
Meine Hobbys: lesen, Manga/Anime

"Miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiia!", ruft mein kleiner nerviger Bruder Leo, während er auf meinem Bett rumturnt. Das wäre ja nicht halb so schlimm, wenn ich nicht noch darin liegen und bis vor kurzem noch darin geschlafen hätte!

"Leo, lies doch mal bitte was auf dem Zettel an meiner Tür bei der Numer 17 steht", sage ich ganz gelassen, als wäre nichts geschehen und zeige auf den selbstgeschriebenen Zettel, den ich an meine Tür gehangen habe um mich vor meinem Brudermonster zu schützen.

Mein Bruder schaut mich ganz verduzt an: "Aber Mia, du weißt ganz genau, dass ich noch gar nicht lesen kann!"

"Ja, aber mitlerweile dürftest du dir das doch langsam gemerkt haben! Dort steht: Wenn Mia noch schläft, geht man auf keinen Fall in ihr Zimmer und verhält sich im Umkreis von acht Metern ab ihrer Zimmertür so leise wie nur irgend möglich! Auf Zuwiderhandeln steht die Höchststrafe: Eine Kitzelattacke, mindestens 30 Sekunden lang!"

Das setzt. Leo springt von meinem Bett, saust durch die Tür in sein Zimmer und knallt seine Tür zu.

Ich will mich schon wieder unter meine Bettdecke verkriechen, da klopft es an meine Tür.

"Mama, ich will schlafen!", rufe ich zur Tür. Doch was dann kam, hätte ich nicht erwartet: Da steht nicht meine Mutter, sondern Leo, was sehr seltsam ist, weil Leo eigentlich nie anklopft. Ich frage mich gerade, warum er zuerst in mein Zimmer stürmt, mich aufweckt, in sein Eigenes flüchtet und dann ganz leise wiederkommt? Doch ich habe keine Zeit mehr zu überlegen, denn da beantwortet er meine Frage, als hätte er meine Gedanken gelesen: "Mia, es hat geschneit! Und Mama hat gesagt ich kann mit dir Schlitten fahren gehen, aber nur wenn du auch willst!"

Er schaut mich fordernd an. Ich hasse diesen Blick, weil er damit so verdammt niedlich aussieht, dass man ihm einfach keinen Wunsch abschlagen kann. Doch diesmal bleibe ich hart!

"Leo, ich hasse Schnee, und ..." Er verschärft seinen Blick, so dass man einfach nicht nein sagen kann!

"... naja, doch andererseits ..." Oh nein, ich muss hart bleiben! Er kann nicht immer alles bekommen! "... also was ich sagen wollte, ist ... n-na gut, weil du so lieb gefragt hast"

NEEEEEEEEEIN!!! Ich wollte doch nicht nachgeben! Doch einfach sagen: "Nein, geht doch nicht, kleiner Bruder, du bist einfach zu nervig!" kann ich ja auch nicht.

Also stehe ich auf, frühstücke schnell und ziehe mir meine Winterjacke an.

Leo wird von Mama angezogen, sonst vergisst er wieder die Hälfte und will nach zehn Minuten wieder nach Hause weil ihm kalt ist.

Als Leo und ich dann unsere Schlitten hinterherziehen und zum Berg am Stadtrand gehen, finde ich es schon schön, wie die kleinen Schneeflocken herunterfallen und alles in ein blendendes weiß färben.

Vielleicht ist mein Bruder ja doch nicht so doof wie ich immer dachte. Wenn ich's mir recht überlege, ist er sogar ganz süß.

Wir sind mitlerweile an dem Berg angekommen, wo Leo seine Kindergartenfreunde sieht und auf sie zuläuft.

Von überall kommen Schlitten mit Kindern angebraust, manchmal auch ohne Kinder, denn dieser Berg ist ziemlich steil, sodass man leicht einmal vom Schlitten herunterfällt.

Ich mache mich auf den Weg zur Spitze des kleinen Berges, denn wenn man Schlitten fährt muss man ja bekanntlich oben und nicht unten losfahren.

Eigentlich hasse ich es, wenn mir der Schnee ins Gesicht spritzt, aber es macht solchen Spass mit dem Schlitten herunterzusausen, dass mir das gar nichts mehr ausmacht.

Leo und ich fahren den ganzen Tag lang. Wir merken gar nicht wie der Platz langsam leerer wird, bis nur noch Leo und ich da sind. Es ist inzwischen schon dunkel geworden.

"Leo! Wir müssen los, sonst ist es zu dunkel zum nachhause gehen!", schreie ich meinem kleinen Bruder zu, der gerade den Berg herunter saust.

"Dann bleiben wir eben hier!", sagt er grinsend, als er unten bei mir angekommen ist.

Ich versuche ihn zu überzeugen, dass es besser ist jetzt zu gehen, was ich dann auch schaffe. Doch nur unter der Bedingung, dass er noch einmal fahren darf.

Ich stehe unten und warte auf ihn. Leo läuft blitzschnell den Berg hinauf, setzt sich auf seinen Schlitten und saust los.

Unten angekommen machen wir uns sofort auf den Weg nach Hause. Die Laternen in der Stadt erhellen den Weg.

Zuhause hole ich mir erstmal meine Decke aus dem Zimmer und setzte mich mit Leo auf die Couch. Mama bringt uns einen heißen Kräutertee und setzt sich zu uns ins Wohnzimmer auf den Sessel. Komisch, ich merke erst jetzt, wie kalt es draussen gewesen ist. Doch der Tee wärmt mich schnell wieder auf.

Abends, nachdem Mama mir einen Gutenachtkuss gegeben hat, kommt Leo noch mal rein.

"Was ist denn, Leo?", frage ich ihn verschlafen. Schlittenfaren macht müde.

"Ich wollte dir nur nochmal Gute Nacht sagen. Das war wirklich lustig heute, sowas müssen wir bald nochmal machen!"

Leise schließt sich die Tür. Ich schlafe schnell ein und hoffe, dass Leo morgen nicht wieder so früh in mein Zimmer kommt und mich aufweckt.

Die Urheberrechte liegen bei der Autorin.

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