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Konrad von Kent

von Matthias Reineke, 11 Jahre

Wir schreiben das Jahr 650 n. Chr. Die Zeit der Sachseneinfälle in verschiedenen Gebieten Britanniens. Vor den Toren von Kent lagen jene blauäugigen Krieger.

Ritter Konrad von Kent, dessen Burg nahe am Wasser lag, war beunruhigt. Er hat kein Geld um sich neue Waffen zu kaufen geschweige denn um Soldaten be-zahlen zu können. Die einzigen Männer in Kent wurden sowieso zum Königsschloss Camelot geordert um sich dort zum kämpfen ausbilden zu lassen. Doch Konrad wollte seine Burg und den Hofstaat retten. Um neue Waffen und Kampfmaschinen kaufen zu können brauchte er Geld, viel Geld.

Da fiel Konrad eine alte Sage ein die von dem geheimnisvollem „Stein der Weisen„ berichtete. Dabei handelte es sich um ein mysteriöses Metall, das die Macht hatte, Gegenstände in pures Gold zu verwandeln. Konrad eilte in seine Schlossbibliothek. Dort traf er seinen Knappen Orlando an, der gerade damit beschäftigt war einige Bücher abzustauben. „Orlando“, rief Sir Konrad. „Ja, Herr?“, entgegnete Orlando und legte das Staubtuch zur Seite. „Suche mir bitte das Buch „Alchemio“ heraus. „Sofort, Herr“, antwortete Orlando und zog, nach kurzer suche, das Buch aus dem Regal. Konrad blätterte es durch und fand schnell die Stelle die er suchte. Dort stand: Wer den Stein der Weisen sucht, der finde ihn am See der Sonne in Kaledonien. Aber er muss vorsichtig sein, denn die sieben Gestirne überwachen den See.

Konrad war sichtlich verdutzt. Er hatte noch nie vom See der Sonne gehört und was waren die sieben Gestirne? Konrad holte noch ein Buch aus dem Regal. Auf dem ledernen Einband stand: Unwesen aller Art. Konrad schlug es auf. Er blätterte das Buch durch und fand schließlich das Kapitel: Die sieben Gestirne. Die sieben Gestirne sind Ungeheuer verschiedenster Arten: I Gestirn: Silberlöwe , II Gestirn: Schwarzer Wolf, III Gestirn: Riesenschlange, IV Gestirn: Roter Drache, V Gestirn: Grüner Drache, VI Gestirn: Schwarzer Drache, VII Gestirn: Goldener Drache.

Der Sage nach sollen die sieben Gestirne den Stein der Weisen in dieser Reihenfolge bewachen. Konrad klappte das Buch zu und stellte die beiden wieder zurück ins Regal. „Jetzt muss ich nur noch herausfinden wo der See der Sonne liegt.“, sagte er sich. Konrad rannte die Treppe herunter und lief in den Burghof. Dann rief er Orlando zu sich, der gerade damit beschäftigt war die Pferde zu striegeln.„ Knappe, Sattel dein und mein Pferd. Wir brechen sofort nach Camelot auf. Ich will dort die ausführliche Bibliothek einsehen.“ Orlando war noch nie auf Camelot gewesen und freute sich auf das sagenumwobene Schloss.

Bis Camelot waren es drei Tagesritte. Sie kamen an verarmten Dörfern vorbei, an zerstörten Gebäuden und abgebrannten Feldern. Erst jetzt sah Konrad, wie schlimm die ersten Sachsen gewütet hatten. Sie ritten durch karges Gelände und durch dreckigen Morast. Schließlich kamen sie in Camelot an. Dort herrschte zurzeit Hochbetrieb. Überall liefen Knappen herum und brachten den Rittern ihre Waffen. Orlando nahm die beiden Pferde und führte sie in die großen Stallungen. Derweil erkundigte sich Konrad nach dem Verwalter der königlichen Bibliothek. Er wurde auf den Ostturm verwiesen. Konrad klopfte an die Tür und öffnete sie. In der Ecke saß ein alter Mann und blätterte abwesend in einem Buch. Konrad räusperte sich und der Mann schreckte hoch. „Kann ich etwas für Euch tun?“, fragte der Mann freundlich. „Ich suche ein Buch über den Stein der Weisen und den See der Sonne!“ , sagte Konrad bestimmt.

Plötzlich verdunkelte sich die eben noch so freundlich wirkende Miene des alten Mannes schlagartig. Dann schimpfte er los: „Die Sachsen liegen vor unserer Tür und ihr kommt mir mit dieser altmodischen Sage.“ „Wir müssen jede Möglichkeit in Betracht ziehen um uns zu retten. Ich habe nun mal kein Geld um mir ordentliche Waffen zu kaufen!“ rief Konrad zurück. Der alte Mann erbarmte sich und gab Konrad ein Buch mit dem Titel: Der See der Sonne. Er blätterte das Buch durch und wusste kurze Zeit später wo er suchen musste. Konrad ging zu Orlando, der gerade die Pferde tränkte, und verkündete: „Sattel die Pferde, wir brechen sofort nach Schottland auf.“ „Wohin reiten wir genau, Herr?“, erkundigte sich Orlando. „ Inden Westen von Schottland . Am Berg des Mondes liegt der See der Sonne. Proviant besorgen wir uns unterwegs.“ Damit gab sich Orlando zufrieden.

Sie ritten durch das gesamte England, rasteten in kleinen Dörfern und übernachteten in Herbergen. Dann erreichten sie die Grenze zu Schottland, dem Land der Highlandclans, der Ungeheuer und Sagen. Vor ihnen erstreckte sich eine hügelige weite Ebene. Im ersten Dorf nördlich der Grenze Schottlands fragte Konrad einen alten Mann nach dem Berg des Mondes. „Das macht 5 Pfund.“, sagte der alte Mann. Widerwillig bezahlte Konrad das Geld. Darauf hin sagte der Mann: „Haltet euch immer nord-östlich, dann könnt ihr ihn gar nicht verfehlen.“ Als sie wieder ein Stück geritten waren, sagte Konrad: „Dann stimmt es also doch, das die Schotten unsagbar geizig und geldgierig sind. Wir werden wohl nicht in einer Herberge übernachten können. Das ist mir zu teuer.“

Nach einigen Tagesritten kamen sie endlich zum Berg des Mondes. Hinter dem Berg lag malerisch gelegen der See. Am Ufer steckte ein Schild im Morast. Darauf stand: Loch Mc Sun. Im See lag eine Insel. Konrad und Orlando bauten sich ein Floß und ruderten zu der Insel. Als sie dort ankamen, sahen sie eine Höhle. Mit gezücktem Schwert trat Konrad ein. Orlando hatte er befohlen, draußen zu warten. Auf einmal hörte er ein schreckliches Brüllen. Ein riesiger Löwe mit silbern schimmerndem Fell kam ihm entgegen. Konrad hob sein Schwer und schlug dem Löwen mit einem gewaltigen Schlag den Kopf ab. Er ließ den Löwen links liegen und ging weiter. Dann kam ihm ein großer, schwarzer Wolf entgegen. Dieser sprang ihn an und wollte ihn in den Hals beißen, doch Konrad zückte einen Dolch und stieß ihn in den Körper des Wolfes. Danach sang dieser in sich zusammen.

Konrad kam immer tiefer in die Höhle. Da sah er plötzlich ein helles leuchten. Konrad ging langsam auf das Leuchten zu. Auf einem Fels lag der Stein der Weisen. Er sah aus, wie ein großer Diamant und brach sich in abertausenden von Facetten. Konrad wollte danach greifen, doch als er die Hand ausstreckte schlängelte sich eine riesige Natter um den Stein. Sie sah Konrad mit funkelnden tiefgelben Augen an. Konrad erschrak und wollte sein Schwert ziehen, doch die Schlange drehte sich blitzschnell um seinen Hals. Beinahe hätte ihn die Schlange erwürgt, doch Konrad gelang es rechtzeitig seinen Dolch zu ziehen. Damit schnitt er der Natter den Kopf ab und streifte sie von sich los. Er nahm den Stein an sich und wollte wieder zurückgehen.

Doch auf einmal kamen von vier Seiten vier Drachen auf ihn zu. Konrad zog sein Schwert und ging auf den hässlichen grünen Drachen zu. Mit einem gewaltigen Schlag hieb er ihm den Kopf ab. Doch das hinderte die an-deren Drachen nicht daran wieder anzugreifen. Der schwarze Drachen schlug mit seiner großen Pranke nach ihm, doch Konrad wich geschickt aus und stach sein Schwert elegant in den Bauch des Ungeheuers. Das dritte Ungeheuer war schwieriger zu besiegen. Doch Konrad gelang es, sein Schwert in den Rachen des roten Drachens zu stecken. Als er es wieder herauszog, sang das Tier erbärmlich zusammen. Plötzlich vernahm er ein lautes zischen hinter sich. Sein Schwert wurde immer heißer und fing schließlich an zu glühen. Konrad musste sein Schwert wohl oder übel fallen lassen.

„Das ist mein Ende. Ich bin dem Drachen schutzlos ausgeliefert!“, dachte Konrad. Doch dann sank der goldene Drache plötzlich zusammen. Hinter dem Drachen stand zu Konrads erstaunen sein Knappe Orlando. Dieser zog gerade seinen Dolch aus dem Rücken des Drachens. „Du hast mir das Leben gerettet. Dafür sollst du reich belohnt werden“, sagte Konrad anerkennend. Mit diesen Worten nahm er Orlando den Dolch aus der Hand, nahm den Stein der Weisen und hielt ihn daran. Augenblicklich verwandelte sich der Dolch in pures Gold. Dann gab er Orlando den Dolch zurück. „Ich danke euch Herr. Ihr sagtet zwar ich sollte draußen auf euch warten, doch als ich den Kampfeslärm hörte konnte ich mich nicht mehr beherrschen und musste euch einfach nachgehen. Ich sah all die toten Tiere und schließlich wie ihr dem goldenen Drachen schutzlos ausgeliefert wart. Dann zog ich meinen Dolch und erstach das Untier von hinten“. „Ich bin stolz auf dich Orlando. Du hasst deinen wahren Mut gezeigt und sogar einen Drachen besiegt“, lobte Konrad. Sie gingen wieder aus der Höhle heraus und bestiegen ihre Pferde.

Konrad schmerzte der Verlust seines Schwertes sehr, so das sie gleich in die nächste Stadt ritten. Dort angekommen ließ sich Konrad für (sehr) viele in Gold umgewandelten Silbermünzen ein Schwert anfertigen. Danach ritten sie weiter gen Süden. Nachts übernachteten sie entweder in Herbergen oder auf Bauernhöfen. Schließlich waren sie in Kent angekommen. Konrad starrte über sein Land. Viele Bauernhöfe waren niedergebrannt worden. „Diese verdammten Sachsen, schnell wir müssen uns beeilen! Hoffentlich ist es noch nicht zu spät“, donnerte Konrad.

„Das wäre alles nicht so gekommen, wenn König Artus nur den Gral gefunden hätte“, sagte Orlando verzweifelt. „Ich glaube langsam nicht mehr an die Existenz des Grals“, sagte Konrad wütend. Endlich erreichten sie ihre Burg. Die Sachsen belagerten sie bereits und die übrig gebliebenen Männer verteidigten die Burg, so gut sie konnten. Konrad und Orlando machten rasch kehrt und galoppierten zur nächsten Stadt. Dort ließ sich Konrad gleich drei Dutzend Schwerter anfertigen. Er bezahlte mit zu Gold gewordenen Kieseln. Dann ritt Konrad mit Orlando auf den Marktplatz und verkündete: „Männer, kommt und verteidigt euer Vaterland! Von mir bekommt ihr die nötigen Waffen. „Könnt ihr uns überhaupt bezahlen? Wir brauchen das Geld dringend um uns und unsere Kinder zu ernähren“, rief ein Mann dazwischen. „Ihr sollt euren Lohn haben, aber beeilt euch“, antwortete Konrad. Danach hörte man einen lang gezogenen Jubelschrei aus der Menschenmenge.

Mit einer Schar von 150 gut bewaffneten Kriegern zog Konrad zur seiner Burg. Dort waren die Sachsen gerade dabei mit einem Rammbock das Burgtor einzustoßen. Konrad und seine Mannen stürzten sich mit gezückten Schwertern auf die Sachsen. Diese hatten mit dem Überraschungsangriff nicht gerechnet und wichen erschrocken zurück. Es war eine blutige Schlacht und die Sachsen waren zahlenmäßig überlegen. Doch Konrad und seine mit Gold bezahlten Krieger kämpften wie die Löwen. Schließlich gelang es ihnen die Sachsen auf ihre Schiffe zurückzudrängen. Diese setzten die Segel und fuhren zurück Richtung Frankreich. Somit hatte Konrad gewonnen. Doch einer der Sachsen rief: „Ihr habt eine Schlacht gewonnen, aber nicht den Krieg.“ Viele von Konrads Kriegern riefen verhöhnten die Sachsen oder lachten sie aus. Doch Konrad wusste, dass der Sachse Recht hatte. Der Sachse behielt Recht und kurz nach Konrads Tod eroberten die blauäugigen Nordmänner Britannien. Konrad wurde aber seit je her als Held und Befreier gefeiert und verehrt.

Ende

Die Urheberrechte liegen beim Autor.

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