Lese-Ecke
Oma als Kindermädchen
von Julian Heinke, 12 Jahre
Hobbys: Geschichten schreiben
„Pass auf dich auf!“ Gabi dreht sich um und geht aus dem Schlafzimmer. Zuerst kann es Julian gar nicht fassen. „Was!?“ Tollpatschig, wie er ist, schafft er es nicht wirklich gleich aus dem Bett zu hüpfen um seiner Mutter, Gabi, nachzulaufen. Er stolpert über seine eigenen Füße und fällt auf den harten Teppichboden.
Warum hat sie es ihm nicht früher gesagt, dass sie weggeht? Er erfährt es erst jetzt, um 9 Uhr in der Früh. Gerade hat er noch geschlafen und plötzlich wird er geweckt und erfährt, dass seine ach so nette Mutter einfach so wegfährt um einen neuen Mann kennen zu lernen. Seit dem Verehrer, mit dem sie auch Julian bekommen hat, hat Gabi nur mehr Pech in der Liebe. Sie hatte sicher schon tausende Dates, doch nie war der richtige dabei.
Na ja, so ist Gabi. Lässt ihr Kind zuhause und will die große Liebe finden. Julian sieht seine Mutter fast nie mehr. „Die Oma wird gleich da sein!“ „Wieso hast du mir nicht früher gesagt, dass du…Ah!“ Wieder liegt Julian am Boden. Er hat schon immer Pech gehabt. Fast immer stolpert er und fällt nieder. „Du weißt genau, dass du immer erst auf den letzten Drücker erfährst, wenn ich weggehe. Das hat sich so ergeben. Ich wollte gerade die Oma anrufen, dass sie kurz kommen soll, weil ich einkaufen gehen wollte und da tippe ich doch glatt die falsche Nummer ein! Und wen habe ich angerufen? Einen voll netten Mann! Klar, dass ich da gleich ein Date mit dem ausgemacht habe, oder?“
Julian seufzt. Es nutzt sowieso nichts, wenn er sich aufregt. Das hat noch nie was genutzt. Aber es hat auch etwas Gutes, wenn Gabi weggeht: Dann muss nämlich Oma Kindermädchen spielen. Und das tut sie gerne. Auch Julian liebt seine Oma über alles. Er liebt es, wenn sie auf ihn aufpasst. Zwar ist Oma meist leicht überfordert mit Julians Pech, doch irgendwie schafft sie es immer. Dann liest sie Julian einfach etwas aus dem Märchenbuch vor (er ist zwar schon 11, aber er liebt die Geschichten noch immer sehr!) und er beruhigt sich. Gabi schreitet aus der Tür, ruft noch mal „Tschüssi“ und schließt die Tür ab. Julian liegt lächelnd am Boden. Er wird warten bis Oma da ist und ihm aufhilft. Wieso jetzt aufstehen, wenn er höchstwahrscheinlich danach gleich wieder hinfällt?
Als Oma da ist, verläuft alles wie immer. Julians Pech ist unerträglich für Oma. Deswegen versucht sie Julian mit einer Geschichte aus dem Märchenbuch zu beruhigen. Das klappt diesmal aber leider nicht. Auch die Hauskatze Simba kann Julian nicht beruhigen. Und dann passiert es. Als Julian gerade „Heute ist so ein schöner Tag“ sagt, stürzt er mal wieder, was noch nicht besonders ist. Doch Oma reagiert dieses Mal blitzschnell. Sie dreht ihren Kopf in weniger als einer Sekunde zu dem fallenden Julian, läuft zu ihm und bückt sich vor ihn. Julian fällt so genau auf Oma, die mit vollem Gewicht auf ihr rechtes Bein stürzt.
„Ich sag´s euch. Der ist nicht mal aufgekreuzt bei dem Date!“, redet Gabi genervt vor sich hin und geht langsam und kopfschüttelnd ins Haus. „Schnell! Sie liegt am Boden!“ „Wer?“ „Die Oma!“ Hysterisch und panisch läuft Julian durchs Zimmer, bis es Gabi endlich betritt. Gabi reißt die Augen auf und schreit: „Oma, was ist denn passiert?“ „Nur ein kleiner Unfall“, meint diese und versucht aufzustehen, was kläglich scheitert. Julian blickt panisch durch den Raum, bis sein Blick das Telefon trifft. „Ich rufe die Rettung!“, bestimmt er und stolpert vor das Telefon. Inzwischen sprintet Gabi zu Oma und versucht ihr zu helfen.
Mehr als den Fuß zu verbinden tut der Hausarzt nicht. Er empfiehlt Oma, ruhig sitzen zu bleiben und zu entspannen. Oma nickt. Als der Arzt wieder gegangen ist, kommt Gabi gleich um sich um die arme Oma zu kümmern. Mehr als ein Glas Wasser verlangt sie nicht. Natürlich kommt danach auch gleich Julian, um sein Kindermädchen aufzuheitern. „Hey Oma, tut mir echt leid, wegen dem Missgeschick. Aber du weißt ja eh, mein Pech…tja…“ „Du kannst nichts dafür. Mach dir keine Gedanken.“ „Okay, gut. Sie mal, ich habe ein Spiel mitgebracht!“ Freudig zeigt Julian sein Spiel Wer ist es?. Julian packt es sofort aus, und verstreut alle Karten über den Boden. „Das haben wir gleich!“, schreit der Tollpatsch und fliegt mit lautem Knall den Kärtchen hinterher. „Hier hast du n paar!“, sagt er unter größter Anstrengung und wirft Oma ein paar rote Karten entgegen. Doch schon nach kurzer Zeit vergeblicher Mühe, die Karten aufzuheben, merkt Julian, dass sie das Spiel lieber lassen sollten. Freundlich fragt er: „Sollen ich und die Mama etwas für dich einkaufen?“ „Ja, bitte!“, meint Oma.
Gesagt, getan. Doch als Julian und Gabi wieder nach Hause kommen, müssen sie etwas Schreckliches sehen. Oma liegt bewusstlos im Wohnzimmer. „O mein Gott!“, schreit Julian aufgebracht. „Was sollen wir tun?“ Gabi muss nicht lange überlegen. „Ab ins Krankenhaus! Schnell!“ Da Gabi sich erst mal von dem Schock erholen muss (bei einem Date, wo sonst?) bleibt nur Julian im Krankenhaus sitzen und wartet auf den Arzt. Allzu lange muss er nicht warten. Doch Julian wird es schon ungut zu Mute, als er das traurige Gesicht vom Arzt sieht. „Und, Doc. Was´n los mit meiner Oma.“ „Nun ja…“, stottert der Arzt und lässt seinen Blick durchs Zimmer schweifen, um Zeit zu bekommen, „Ich würde nicht sagen, dass sie tot ist. Ich würde aber auch nicht sagen, dass es ihr gut geht.“ Julian starrt den Arzt fassungslos an. „Sie wird vielleicht sterben!“ Diese Worte des Arztes sind zu viel. Julian empfindet eine Leere, die er nie zuvor gespürt hat. Doch er muss auch nicht weinen. Er fühlt gar nichts. Doch schließlich fällt er in Ohnmacht.
Schon seit guten zwei Stunden sitzen Julian und Gabi jetzt am Sofa. Wieso? Sie trauern. Die zwei Stunden haben sie fast nichts miteinander gesprochen. Sie haben nachgedacht. Wie es jetzt weitergeht. So ganz ohne Kindermädchen, ohne Oma. Julian ist zwar schon 11, doch innerlich ist er höchstens sieben. Und als wäre die Situation gerade nicht schon schlimm genug, sehen Julian und Gabi plötzlich ein grünes Leuchten ein paar Meter vor ihnen. Und plötzlich steht da die Hexe. Die Hexe ist böse und will die gesamte Familie vernichten. Ihre Erzfeindin ist Oma. Irgendetwas ist zwischen denen mal vorgefallen. Auf jeden Fall hasst die Hexe Oma grundtief. Schon oft waren ärgere Kämpfe zwischen Julian und Hexe, Oma und Hexe, Julian und Oma und Hexe. Doch bis jetzt hat die Hexe immer verloren. „Was willst du hier?“, schreit Julian ohne nachzudenken. Immerhin könnte die Hexe Julian in eine Kröte verwandeln, oder ihn mit nur einem Zauberstrahl sogar töten. „Ich habe gehört Omilein ist tot. Ha ha ha!“ Die Stimme der Hexe ist nicht zu beschreiben. Sie ist einfach nur fürchterlich. „Das tut mir aber Leid. Ha!“
Julian und Gabi starren die Hexe ohne etwas zu sagen an. Sie sind gerade nicht in der Stimmung, um mit der Hexe zu streiten oder sogar zu kämpfen. „Na ja, jetzt, wo meine Erzfeindin so gut wie tot ist, geht es euch an den Kragen. Ha ha ha!“ Julian und Gabi wehren sich nicht. Sie sind viel zu schwach dazu. „Einfach so? Ihr wehrt euch nicht? Das wird mir ja gar keinen Spaß machen!“ Wird sie uns wirklich töten? Das denkt sich Julian gerade. Und als die Hexe ihre Hand hebt um einen Zauberstrahl loszuschicken gibt es keinen Zweifel mehr. Sie wird die beiden einfach so töten. Doch, so sehr sie auch wollen, sie könne irgendwie nichts dagegen tun. Es kommt ihnen so vor, als wäre alles egal. Auch wenn sie jetzt sterben, was soll´s? Die Hand der Hexe hebt sich immer weiter. Bald ist sie genau in der richtigen Position, um auf Julian und Gabi zu zielen. Doch dann schießt es in Julian wie ein Blitz: Eine Idee. Er kann doch nicht wirklich zulassen, dass sie beide einfach so getötet werden. Nach so vielen Jahren, in denen sie um ihr Leben gekämpft haben. Nein, er muss etwas tun. Von der einen Sekunde auf die andere lässt er seine Hand in einen Sofa ritz schnellen. Blitzartig zieht er einen Zaubertrank hervor, den er mal aus der Hexenhöhle nach einem Kampf mitgenommen hat. Jetzt muss er nur noch schneller sein als die Hexe! Gott sei Dank bemerkt diese erst, was gerade passiert, als Julian den Deckel schon abgeschraubt hat. Doch dann zischt ihre Hand in die Höhe. Die Hexe schickt den Zauberstrahl los, Julian schüttet den Trank in Richtung Hexe. Der Zauberstrahl durchquert die fliegende Flüssigkeit und findet sein Ende im Sofa, knapp neben Julian. Der Zaubertrank hingegen trifft genau die Hexe. Diese zittert plötzlich wie bei einem langen Elektroschock, fällt auf den Boden und zittert wieder in die Höhe. Es kommt Julian und Gabi so vor als würde kurz der ganze Raum nach zittern.
Dann drückt plötzlich wie eine unsichtbare Macht gegen die Hexe und lässt sie zwei Schritte zurück taumeln. „Wa-Wa-Was kann ich für euch tun?“ Ungläubig fragt Gabi: „Was hat sie gerade gesagt? Sie will uns behilflich sein? Die HEXE?!“ „Auf dem Fläschchen steht Nettigkeitszauber. Sie wurde nett!“ Verwirrt blickt Gabi zu der lächelnden Hexe, die friedlich vor ihr steht. „Dann sollten wir nen Test mache, oder?“ Julian nickt und fragt: „Können wir Oma noch retten?“ „Aber natürlich“, erklärt die nette Hexe, „Ihr müsst ein magisches Kartenspiel finden, mit dem ihr einen Wunsch frei habt. Hier ist eine Karte!“ Und plötzlich ist in Hexes Hand eine Karte. Julians Augenbraue zieht sich nach oben. „Okay….ähm…danke, oder so.“ Als Gabi die zusammengerollte Karte öffnet erkennt sie START und ZIEL. „Seit wann steht auf einer Karte Start und Ziel?“ „Seit immer!“, schreit die Hexe plötzlich laut und schnell. „Ich meine…Der Start ist genau hier und das Ziel ist das Magische Kartenspiel, okay, gut! Ab hier müsst ihr es alleine schaffen!“ Und plötzlich ist sie weg, die Hexe.
„Na gut, dann suchen wir ein magisches Kartenspiel“, lacht Julian, bis er merkt, dass es das anscheinend wirklich gibt. Angezogen und willensstark beginnen Julian und Gabi die lange Reise zum magischen Kartenspiel. Es ist schon recht dunkel, obwohl es erst früher Nachmittag ist. Die Sonne hat sich den ganzen Tag nicht gezeigt. Das Wetter passt zu der Stimmung von Julian und Gabi. Traurig und trüb. Plötzlich sagt Gabi: „Schau mal, da ist ein Kreuz mitten am Weg!“ Julian reißt sofort die Karte an sich und starrt sie gute zehn Sekunden lang an. „Könnte auch ein X sein“, sagt er misstrauisch. Gabi verdreht die Augen und spricht weiter: „Vielleicht ist das ein Hindernis oder sowas. Könnte ja sein.“ „Könnte schon!“, meint Julian schlau und hält die Karte vor sich.
Die nächsten Minuten wird kein Wort gesprochen. Die beiden gehen nur den Weg, welchen die Karte zeigt, entlang. Ungefähr nach einer halben Stunde bleibt Gabi blitzartig stehen. Julian kracht gegen sie. „Gut, dass ich voran gegangen bin. Du wärst sicher rein gestürzt!“, sagt Gabi mit zitternder Stimme. Julian wird neugierig, bekommt es aber auch mit der Angst zu tun. Langsam und mit weichen Knien beugt sich Julian vor. Seine Augen werden wie auf Knopfdruck größer. Was Julian gerade sieht ist eine tiefe Grube. Man sieht keinen Boden. Man sieht nur Dunkelheit im Inneren der Grube. „Die können wir unmöglich überqueren“, meint Gabi ängstlich. Julian nickt. Doch dann schaut er nach oben. Soweit müsste man gar nicht überspringen, dass man auf die andere Seite kommt. Irgendetwas in Julian sagt ihm, dass er das nicht tun soll. Doch er hört nicht auf sein Bauchgefühl und sagt kraftvoll: „Wir müssen springen!“ Gabi dreht ihren Kopf innerhalb einer Sekunde nach hinten zu Julian und schaut ihn an, als wäre er völlig übergeschnappt. „Das wird nie funktionieren!“, schreit sie laut. „Haben wir eine andere Wahl?“, fragt Julian, obwohl er selbst die Antwort weiß. Kurz schließt Julian die Augen, denkt an Oma, und nimmt seine ganze Kraft zusammen. Ich kann es schaffen, hallt es ihm immer wieder durch seinen Kopf. Plötzlich reißt er die Augen auf und setzt seinen rechten Fuß schnell vor den linken. Er beginnt zu laufen! Genug Anlauf hätte er. Gabi starrt gespannt zu Julian, dann wieder zur Grube. „Das kannst du nicht schaffen!“, schreit sie plötzlich lauter als je zuvor, die Worte hallen durch die Gegend. Erschrocken setzt Julian seinen linken Fuß genau vor den rechten. Er verliert das Gleichgewicht und zappelt durch die Luft, als würde er etwas suchen, an dem er sich anhalten könne. Dann passiert es: Julian stolpert über seine eigenen Füße. Doch diesmal genau vor der Grube.
Gabi reagiert wie auf Knopfdruck und eilt los. Julian stürzt inzwischen mit Kopf voran genau in das tiefe Loch. Seine Gefühle überschlagen sich. Sein Herz klopft schneller als je zuvor. Gabi ist derweil schon da und streckt ihre Hand schlagartig zu Julian. Doch um einen Millimeter, wenn nicht sogar weniger, erreicht Julian die Hand seiner Mutter nicht und stürzt mit gequältem Schrei in die Tiefe. Gabi kann es noch immer nicht fassen. Was ist vorhin nur passiert? Was?
Da sie nicht wusste, was sie tun sollte, geht sie jetzt gerade zum Krankenhaus zu Oma. Dort angekommen läuft sie sofort in Omas Zimmer und setzt sich neben sie ans Bett. „Du wirst nicht glauben was passiert ist. Der Julian ist in ein Loch gestürzt. In eine tiefe, endlose Grube. Er ist wahrscheinlich auch tot, genauso wie du. Jetzt bin ich ganz alleine!“ Gerade als Gabi anfangen will zu weinen, öffnet Oma langsam die Augen. „Ja Gabi, warum weinst du denn?“ Blitzartig schießen die Augenlieder von Gabi nach oben. „Oma?“, fragt Gabi unglaubwürdig, „Warum lebst du? Du bist tot!“ „Nein, ich bin nur zuhause ein bisschen eingenickt. Wo bin ich denn hier?“ Gabi lacht. Wie konnten sie nur glauben, dass Oma bewusstlos ist? “Der Arzt kam mir gleich komisch vor“, meint Gabi mit schüttelndem Kopf. „Aber es ist schön, dass du lebst!“ Nach einer liebevollen Umarmung entschließen sich die beiden dazu, zur Hexe zu gehen, da vielleicht sie die Lösung für den möglichen Tod von Julian hat. „Weißt du, wir haben der Hexe so eine Art Nettigkeitszauber übergeleert und dann war sie nett. Vielleicht ist sie ja noch immer nett!“, erklärt Gabi übereifrig und steht sofort auf. „Komm Oma! Ich helfe dir mit deinem Bein!“
„Das Bübchen Julian und seine Mutter sind ja so naiv! Die glauben wirklich, dass ich nett geworden bin! Ha ha ha. Zaubertränke wirken bei Hexen nicht, das sollten sie doch wissen.“ Eins sollte man noch über die Hexe wissen, sie führt Selbstgespräche. Immerhin lebt sie in ihrer Hexenhöhle ganz alleine, nur mit einem Skelett namens Herbert. Meistens hören nur Julian, Gabi oder Oma mit und finden so die gemeinsten Sachen heraus, so wie jetzt. „Was? Das war also gar nicht echt?“, fragt Gabi, obwohl sie die Antwort gerade gehört hat. „Die ist aber wirklich gemein“, meint Oma, dreht sich um und spricht weiter: „Was machen wir jetzt?“ „Gehen wir nach Hause“, sagt Gabi, da sie sonst keine Idee hat. Oma nickt und humpelt wieder weiter. „Ah, ich bin blöd!“, schreit Gabi plötzlich. Oma hält inne und dreht dann ihren Kopf fragend zu ihrer Tochter. „Was hast gesagt?“ „Na das magische Kartenspiel von dem ich dir auf dem Weg erzählt habe! Nur so können wir den Julian aus der Grube und wieder lebendig zaubern!“ Oma schüttelt den Kopf und fragt: „Du glaubst wirklich an sowas?“ „Ja ich muss!“, schreit Gabi aufgebracht. „Gott sei Dank habe ich noch die Karte im Kopf. Komm, da müssen wir entlang!“
Lange Zeit laufen Gabi und Oma durch die Gegend.Manchmal glauben sie, im Kreis zu laufen. Doch dann stehen sie vor der Grube, in die Julian reingefallen ist. „Wenn wir die überqueren sind wir so gut wie beim magischen Kartenspiel“, erklärt Gabi besserwisserisch. „Und wie?“, fragt Oma schwach. „Springen funktioniert sicher nicht. Außerdem mit deinem Bein!“ Gabis Blick schweift über die Grube. „Das gibt´s nicht!“, stottert sie plötzlich. Oma blickt zu Gabis staunendem Gesichtsausdruck. „Da ist ne Brücke“, stottert Gabi weiter. „Ich fasse es nicht. Wir haben die vorhin nicht gesehen.“
Oma bleibt ruhig. Sie ist mit ihren Kräften fast am Ende. Doch sie muss weiter, für Julian. Nach der Überquerung der Brücke müssen die beiden nur mehr wenige Meter gehen, bis der Weg endet. Vor ihnen liegt nun ein Gebäude. Es sieht einer Garage ähnlich. Es hat eine große Tür. Ansonsten nichts. „Hinter dieser Tür wird sicher das Kartenspiel sein“, meint Gabi seufzend. Ohne lange zu überlegen läuft sie gegen die Tür und fällt schließlich zu Boden, ohne etwas bewegt zu haben. „Mit Gewalt geht es nicht“, stellt Gabi erschöpft fest. „Ach, mir wird das alles zu viel!“ Oma lehnt sich gegen die Wand neben der Tür. Plötzlich hören die beiden ein Poltern. Und wie von Geisterhand öffnet sich plötzlich die Tür…und präsentiert einen riesigen Raum. „Oma, du hast es geschafft!“, schreit Gabi plötzlich völlig fröhlich und glücklich. Oma hingegen kann es zuerst gar nicht fassen und starrt in den leeren Raum. Doch dann lacht auch sie und sagt: „Das war aber ein Glück!“ Langsam setzt Oma ihren rechten Fuß in den dunklen Raum. Gabi folgt ihr. Gemeinsam stehen sie jetzt in dem Raum und warten, bis sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben.
Plötzlich schreit Gabi: „Siehst du das auch?“ „Was?“, fragt Oma verwundert, da sie noch gar nichts sieht. „Da hinten ist ein leichtes Licht, ganz hinten.“ So sehr sich Oma auch anstrengt, sie sieht kein Licht. „Soll ich hingehen. Zu dem Licht?“ Oma hebt ihre Schultern und sagt schließlich: „Vielleicht liegt dort das Kartenspiel!“ Langsam schreiten die beiden zu dem Licht, das Oma mittlerweile auch schon ein bisschen sieht. Vor dem Licht bleiben plötzlich beide stehen, als wären sie auf einmal aus Stein. Sie starren nur das Licht an. Doch völlig unerwartet greift Gabi zu dem Licht hin. „Nein, tu das nicht!“, schreit Oma noch, doch es ist zu spät. Überraschenderweise passiert nichts, außer, dass Gabi ein Kartenspiel in der Hand hält. „Ich habe es gefunden.“ Sie lächelt und schreit noch einmal: „Ich habe es gefunden!“
Auf einmal ertönt ein Poltern…und die Tür beginnt sich zu bewegen! „Die Tür fährt zu! Schnell!“, schreit Oma und fängt an mit ihrem gebrochenen Bein zu laufen. Gabi erkennt zuerst gar nicht die Gefahr und starrt nur die Tür an, die langsam dem Boden zufährt und den Raum verschließen wird. Doch als Oma „GABI!“ schreit ist Gabi plötzlich wie von einem Bann befreit und beginnt auch zu laufen. Gott sei Dank war die Tür nicht allzu schnell, sonst hätten es Gabi und Oma wahrscheinlich nicht geschafft. Das einzige komische am Weg zu der Grube war ein Ball, der plötzlich aus dem nichts gekommen ist, das magische Kartenspiel berührt und zu Boden geschmissen hat. Doch jetzt stehen sie wieder neben der Grube und wissen nicht was sie tun sollen. „Wie funktioniert das?“, fragt Gabi verwirrt. Oma schüttelt nur ihren Kopf und bleibt stumm. „Vielleicht müssen wir das beide in der Hand halten und unseren Wunsch gleichzeitig sagen“, meint Gabi schließlich und macht eine Handbewegung, die Oma sagt, dass sie das Kartenspiel angreifen soll. Der Versuch den Satz „Wir wollen Julian lebendig aus der Grube raus“ gleichzeitig zu sagen funktioniert eigentlich recht gut. Trotzdem passiert nichts. Gar nichts. „Blödes magisches Kartenspiel!“, schreit Gabi wütend und wirft es auf den Boden.
Nun sitzen Gabi und Oma auf dem Sofa und wissen mal wieder nicht weiter. „Was sollen wir jetzt tun?“, fragt Oma seufzend. Gabi antwortet nicht. Sie wüsste auch nicht, was sie antworten sollte. „Die Hexe wird uns sicher nicht weiterhelfen“, meint Oma. Plötzlich hören die beiden das Knarren einer Tür. Es ist die Vordertür, das wissen sie genau. „Ein Einbrecher“, flüstert Oma panisch. Gabi hebt ihre Schultern und starrt weiter auf die Wohnzimmertür. Vielleicht kommt der Einbrecher hier herein und Gabi und Oma können ihn erschrecken. Doch wer durch die Tür kommt ist kein Einbrecher, sondern Julian! „Julian!?“, schreien Oma und Gabi gleichzeitig. „Hey“, sagt Julian und versucht dabei cool zu sein, fällt aber gleich wieder nieder. „Wie bist du aus der Grube gekommen?“, fragt Gabi und schlägt derweil mit ihrer Hand auf das Sofa, um zu zeigen, dass sich Julian setzen soll. „In der Grube waren viele Schlangen. Eine Tote. Die hab ich genommen und bin mit der Hochgeklettert. Die Zähne gaben guten Halt!“, sagt Julian und versucht zu lachen, was aber kläglich misslingt. „Weißt du, wir wollten dich mit dem magischen Kartenspiel retten. Aber irgendwie hat es nicht funktioniert. Wir haben gleichzeitig unseren Wunsch gesagt, aber nichts ist passiert“, erzählt Gabi. „Ist irgendetwas passiert.
Also, bevor ihr den Wunsch ausgesprochen habt. Ist dem Kartenspiel etwas zugestoßen?“ „Na ja, ein Ball hat es berührt“, erinnert sich Oma. Julian seufzt und schlägt sich mit der Hand ins Gesicht. „Wisst ihr das denn nicht mehr? Wenn ein normaler Gegenstand einen Magischen berührt, wird die Zauberkraft des magischen Gegenstandes an den vorhin noch nicht Magischen weitergegeben. Das hatten wir doch schon mal, bei der Hexe!“ Gabi und Oma schauen sich an, dann zu Julian und fragen: „Das heißt, die Hexe hat den Ball geschmissen, damit sie die Zauberkraft des magischen Kartenspiels bekommen hat.“ „Ja, die Wirkung des Nettigkeitszaubers hat wohl schon nachgelassen!“, meint Julian wütend. „Das haben wir dir ja noch gar nicht gesagt, die Hexe hat sich nur nett gestellt!“, sagt Gabi. Julian lächelt. „Dann war sie nur auf die Zauberkraft aus!“ „Komm Oma, der Ball und damit die Zauberkraft muss doch bei der Hexe sein!“, schreit Gabi gegen den starken Wind. „Der Ball liegt sicher im Hexengarten“, meint Julian leise.
Und wirklich, als Oma, Julian und Gabi vor dem Hexengarten stehen, sehen sie einen Ball herumliegen. „Ist das der Ball, der das Kartenspiel berührt hat?“, fragt Julian Gabi. „Ja!“, antwortet diese und läuft los. Julian und Oma hinterher. Doch leider erscheint plötzlich die Hexe neben dem Ball und schreit: „Das ist mein Ball!“ Gott sei Dank ist Julian schneller und schnappt sich den Ball. Er passt zu Oma, die ihn leider verliert. Nun hält die Hexe die Kraft wieder in Händen. Doch Julian ist schon zur Stelle und kickt in geschickt aus den Amen. „Achtung, Oma. Weiter Pass!“ Mit voller Kraft springt er in die Höhe und kickt den Ball mit den Füßen in Richtung Oma. Diese fängt ihn geschickt und schreit: „Ich hab ihn! Ich hab ihn!“ Doch dann kommt der entscheidende Fehler: Oma passt zu Gabi, die den Ball sofort zur Hexe weitergibt! „Jetzt habt ihr keine Chance mehr, die Weltherrschaft ist dank dieser Zauberkraft so gut wie mein!“, lacht die Hexe und hält den Ball triumphierend in die Höhe. „Jetzt kann man nichts mehr machen!“, meint Oma traurig, „Sie kennt nun alle Tricks, ihr den Ball abzunehmen!“
„Nein, einen kenn ich noch!“, schreit Julian selbstbewusst und läuft los. Mit einem anderen Ball in der Hand schleicht sich Julian zu Hexe. Als sie gerade wegsieht läuft er los und berührt seinen Ball mit dem magischen Ball. Die Zauberkraft wurde nun an Julians Ball weitergegeben!“ So schnell wie möglich läuft er weg und singt: „Ich hab nun die Kraft. Ich hab nun die Kraaaa…!“ Ungeschickt fällt Julian wieder zu Boden und lässt den Ball in hohem Bogen über den Hexengarten fliegen. Und wer wird mit dem Ball getroffen? Die Hauskatze Simba! „Mann, die ganze Zauberkraft verschwendet für eine doofe Katze!“, flucht die Hexe stinksauer. „Ja, der Simba wird die Zauberkraft für irgendetwas sinnloses verwenden.“
Da hat Julian recht gehabt. Simba zaubert sich mit seinem Wunsch ein Blatt Schinken, Simbas Lieblingsspeise. Schon am nächsten Tag muss Oma wieder auf Julian aufpassen. „Das war was gestern, gell?“, fragt Oma immer noch erschöpft. Julian nickt. „Aber das Wichtigste ist, dass die Hexe verloren hat, und wir gewonnen haben. Stimmt‘s?“ Auch Oma nickt und lächelt. So schnell kann sie gar nicht schauen, liegt Julian schon wieder am Boden. „Hat überhaupt nicht wehgetan!“
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