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Münchhausen in Kanada
von Matthias Reineke, 10 Jahre
Eines Tages sagte mein junger Freund Baldur: „Lass
uns doch nach Kanada reisen und Gold suchen.“
Ich fand die Idee klasse, denn ich erhoffte mir,
bei der Goldsuche auch ein paar Abenteuer zu erleben.
Wir konnten uns für die Überfahrt kein
Schiff leisten, da wir zur Zeit an chronischem Geldmangel
litten, deshalb kam mir der Gedanke, doch den Vogelexpress
zu chartern. Ich pfiff einmal laut, und ein riesiger
Greifvogel kam auf uns zu geflogen. Er packte jeden
von uns mit seinen Krallen am Pelz und brachte uns
ohne Zwischenlandung in wenigen Tagen nach Kanada.
Mein Hund, der einige Tage später auf die gleiche
Weise nach Kanada eingeflogen wurde, witterte sofort
Gold und grub ein großes Loch in die Erde.
Und siehe da, in Kürze hatte er eine Goldader
entdeckt. Wir freuten uns so sehr über den
schnellen Erfolg, dass wir das immer lauter werdende
Gegröle erst gar nicht wahrnahmen. Da standen
sie auch schon hinter uns: Indianer!
Ehe wir uns versahen, hatten sie uns umzingelt.
Baldur hatte schreckliche Angst. Doch ich blieb
ganz gelassen und hatte plötzlich eine Idee.
Ich schnippte mit den Fingern und der große
Greifvogel flog wieder auf uns zu, packte uns in
Windeseile mit seinen Krallen am Pelz und nahm auch
meinen Hund in seinem riesigen Schnabel mit hinfort
und brachte uns alle drei in Sicherheit. Die Goldader
mussten wir wohl oder übel zurücklassen.
Nachdem uns der Vogel abgesetzt hatte, gingen wir
ein paar Kilometer zu Fuß weiter bis zum nächsten
Fluss. Dort versuchten wir unser Glück und
schürften nach Gold. Vertieft in unsere Arbeit
hörten wir nicht, dass ein großer brauner
Bär auf uns zu kam. Erst als mein Hund anschlug,
drehte ich mich um und entdeckte den Bären,
der soeben zum Angriff übergehen wollte. Glücklicherweise
schlug mir in diesem Moment der Zweig eines Baumes
ins Gesicht. Ich fasste ihn mit meiner Hand, schrie
hinter Baldur her, damit er mir seine Hand gab,
dieser wiederum schrie den Hund an, damit er ihm
den Schwanz reichte und als Menschen-Hund-Kette
hangelten wir uns an dem Zweig empor bis zum Stamm
und ließen uns dort auf einem dickeren Ast
nieder.
Wütend verfolgte der Bär unsere Tätigkeit
und versuchte am Baum hoch zu klettern. Mir wurde
mulmig, mein Hund begann wie wild zu kläffen
und Baldur war schon ganz weiß im Gesicht.
Es musste also schnellstens etwas geschehen, sonst
hätte der Bär uns in seinen Klauen gehabt.
Plötzlich fiel mir die Säge ein, die ich
für Notfälle immer bei mir trug. Ich begann
so schnell ich konnte den Ast, auf dem wir alle
drei saßen, abzusägen, und plumps, landeten
wir mit samt dem Ast auf der Nase des Bären.
Dieser jaulte vor Schmerz auf und rannte was er
konnte davon.
Wir setzten unsere Schürfarbeiten am Fluss fort. Gold haben wir nicht gefunden, aber kleine durchsichtige Steine, die wir für gutes Geld verkaufen konnten. Fortan waren wir wieder zu Reichtum gekommen und konnten die Rückfahrt auf einem Schiff genießen.
Die Urheberrechte liegen beim Autor.

