Lese-Ecke

Die weiße Gämse
(Sage, nacherzählt)

David Müller, 10 Jahre

Vor langer Zeit lebte in Egg bei Hermagor ein reicher Bauer mit seiner Tochter, die wohl sehr schön, aber auch ungeheuer stolz war. Im Sommer arbeitete sie als Sennerin auf der Egger Alm.

Als sie gerade auf der Egger Alm beschäftigt war, wollte sie ein Jüngling zur Frau. Sie aber widersprach: „Ich heirate nur einen Mann, der goldene Haare und goldene Zähne hat.“ Darüber war der Jüngling so gekränkt, dass er die schöne Bauerntochter verwünschte. Sogleich verwandelte sich die schöne Jungfer in eine weiße Gämse, die in das Felsengebirge hinaufstieg. Die Jäger aus dem Gailtal haben das Tier oft auf der Weißen Wand gesehen. Jedem, der sie erblickte, ist bald darauf etwas zugestoßen.

In Egg lebten damals drei Brüder, die alle tüchtige Jäger waren. Ihnen erzählte ein alter Mann von der weißen Gämse. Einer der Brüder bekam große Lust, die weiße Gämse zu sehen. Also kletterte er auf die Weiße Wand. Als er die weiße Gämse sah, bekam er es mit der Angst zu tun und wollte Reißaus nehmen. Als er sich zu schnell wegdrehte, ging sein Gewehr los und traf ihn in die Brust, so dass er starb.

Sein Bruder soll einmal  in das Grenzgebirge gegangen sein und die weiße Gämse erblickt haben. Bald darauf fiel er in einer Schlacht fern der Heimat. Nun lebte nur noch der jüngste Bruder. Der nahm sich fest vor, die weiße Gämse zu erledigen, weil sie seine Brüder umgebracht hatte. Also kletterte er auf die Weiße Wand. Plötzlich kam er an eine Stelle, bei der er nicht vor und nicht zurückkam. Plötzlich stand die weiße Gämse vor ihm. Ehe er sein Gewehr an die Wange drücken konnte, stieß sie ihn in den Abgrund. Als seine Frau ihn suchen ging, fand sie zuerst den Jägerhut, dann die Büchse und zuletzt den blutigen Leichnam.

Von der weißen Gämse erzahlt man, sie sei in die italienischen Berge gegangen.

nach oben

zur Geschichten-Übersicht

bunte Kugeln