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Der ängstliche Barbier

von Christina M.

In der Wirtstube war Hochbetrieb. Jeder Platz an der Bar war besetzt und überall standen Leute, grölend und mit wankenden Schritten. Plötzlich schlug die Tür auf. Ein Mann, ganz in schwarz gekleidet und mit einer Rüstung, polterte in die Wirtstube. Drohend schaute er in die Runde. Die Leute verstummten, es wurde totenstill.

„Wirt “ knurrte der Schwarze, „hohl mir den besten Barbier aus der Stadt! Verängstigt trat der Wirt einen Schritt zurück. „Es tut mir wirklich schrecklich leid, aber ich muss Ihnen sagen,“ entschuldigt sich der Wirt, „dass unser Barbier kein Pferd besitzt und sich darum nicht zu uns begeben kann.“Der Wirt zitterte vor Angst. Mühsam beschrieb er dem Fremden den Weg bis dorthin. Als der schwarze Mann dann endlich aus der Gaststube trat, dunkelte es schon und die letzten Sonnenstrahlen liessen seine Rüstung aufblitzen. Er war zweifellos ein Ritter, einer der edlen Landsherren, denen man mit Respekt und Ehrfurcht zu begegnen hat, ansonsten konnte einem dass den Kopf kosten! Mit schnellen Schritten entfernte sich der Mann. Gleich morgen früh wird er dem Barbier einen Besuch abstatten.

Am nächsten morgen machte sich der edle Ritter in aller frühe auf den Weg zum Barbier, um sich den Bart schneiden zu lassen. Doch auch da war alles besetzt. Natürlich machte man dem Ritter sofort Platz und der Meister lies ein anderer Kunde einfach sitzen um den edlen Herr zu bedienen, der da eben in seine Wirtstube getreten ist. Als der aber hörte was ihm blühte, wenn er auch nur ein winziges Tröpfchen Blut des Ritters vergoss, bekam er es mit der Angst zu tun. „Mein edler Herr“ stammelte er „wir hatten in der letzter Zeit so viele Kunden, und da kam ich nie dazu  mein Messer zu schleifen. Nun ist es ganz stumpf. Ich werde ihnen aber selbstverständlich den Gesellen schicken.“ Der Barbier zitterte.

Als der Geselle zu dem Herrn trat, wiederholte dieser seine Forderung: „ Schneidest du mir den Bart, ohne dass auch nur ein Tröpfchen Blut mein Kinn herunterrinnt oder ein Krätzchen auf meiner Wange zu sehen ist, bekommst du hundert Goldstücke. Schaffst du das aber nicht, ramme ich dir meinen Dolch ins Herz.“

Der schwarze Ritter sah den Gesellen an und setzte grimmig hinzu: „du wärst nicht der erste!“

Da packte auch ihn (dem Gesellen) die Angst. Schnell versteckte er sein Werkzeug hinter dem Rücken und verabschiedete sich mit dem Argument, er hätte seine Werkzeuge vergessen.

Der Geselle rannte zum Lehrjungen und drückte ihm das Messer in die Hand; „geh schnell zu dem schwarzen Herrn hinaus und schneid du ihm den Bart“ befahl er „aber beeil dich!“

Auch dem Lehrjungen stellte der schwarze Ritter seine Forderung. Doch der Junge lachte nur und fing sofort an zu schneiden. Schon bald war er fertig und hielt dem Herrn stolz den Spiegel hin „gut so?“  fragte er.

Der edle Ritter betastete sein Kinn und brummte: „perfekt, aber “ fragte er „wie hast du das nur geschafft? Du hast nicht ein einziges mal gezittert oder bist gar ausgerutscht!? Hattest du denn gar keine Angst?

„Aber mein Herr“ der Junge deutete eine Verbeugung an „ich hatte doch die ganze Zeit über meine Klinge in der Nähe ihrer Kehle, währe ich also ausgerutscht und währe ein Tröpfchen Blut geflossen, so hätte ich ihnen ihre Kehle noch schneller durchgeschnitten als sie hätten zu ihrem Dolch greifen können um mir diesen ins Herz zu rammen.“

Der Ritter erschrak. Totenbleich überreichte er dem Jungen die Goldstücke und erhob sich. An der Tür drehte er sich noch mal um und murmelte „das werde ich mir merken!"

Die Urheberrechte liegen bei der Autorin.

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